The Beatles, die DDR und ich...
Erinnerungsfetzen an eine grässlich schöne Zeit

(...) Bei dreien (Beatles, DDR & ich) ist einer schon zuviel, sagt man und vielleicht stimmt es. Mir war die DDR zuviel, das begriff ich spätestens als man mir verbieten wollte, BEATLES zu hören. Andererseits habe ich der DDR und meinem Vater viel zu verdanken, denn hätten sie mir nicht verboten, diesen westlichen Schund zu hören, wäre ich vielleicht gar nicht auf die Idee gekommen, verstärkt zu hören. Verbotenes reizt nun mal gerade die Halbwüchsigen um so mehr, so wie Nachbars Kirsche, (nicht die roten Dinger am Baum, die andere Kirsche...) Fast könnte ich den Genossen dankbar sein, dass sie mir die Musik vermiesen wollten. Es ist ins Gegenteil umgeschlagen und zwar gewaltig. Ich kam davon nicht mehr los.

Und so fing es an: Irgendwann im Jahre 1964 lief im ARD ein Pausenfüller, (ich schaute gerade Westfernsehen, weil mein Vater mal nicht zu Hause war, in seiner Anwesenheit war's nämlich verboten) und besagten Pausenfüller muss man sich so vorstellen; ein paar für damalige Zeiten Leichtbekleidete Damen, hüpften um einen Swimmingpool nach einem mir unbekannten englischen Lied, das Ulkigerweise scheinbar von Delfinen gesungen wurde. Heute weiß ich, es waren die BEATLES mit "l Want To Hold Your Hand", Damals wusste ich aber nicht wer das war, ich erinnere mich bloß noch an den Gänsehaut-Effekt, den dieses Lied bei mir erzeugt (das war fast so angenehm wie der erste KUSS...). Ulkig, ich verstand kein Wort, aber es gefiel mir und war nicht einzuordnen. Mit 14 Jahren kannte ich vielleicht Ronny, C. Valente, Lolita, Freddy, sogar Harry Belafonte oder die DDR-Größen Fred Frohberg und Bärbel Wachholz, aber diese trällernden Delfine waren mir neu. Rein zufällig zeigte mein Vater (Staatsergebener Lehrer) während des Geschichtsunterrichts und anhand eines Fotos aus dem "Neuen Deutschland" die Auswüchse der westlich-imperialistischen Kultur. Der beste Beweis, wie Menschen verkommen. Er zeigte uns ein Foto der Beat-les nach einem Konzert, mit zerzausten Haaren. Sein Tenor im Gleichschritt mit der Meinung des ND- war etwa so:
So etwas nennt man im Westen Musik. Vier Halbwilde mit langen Haaren, die sich gebärden wie die Affen und genau so kreischen und von wahrer Musik keine Ahnung haben, sind die Vorbilder der Jugend im Kapitalismus. In fünf Jahren weiß keiner mehr, wie sie heißen, diese Biedschels oder so was ähnliches. Die Haare sollte man denen schneiden, den Gammlern (...).

von Peter Ziegenhorn